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Zugfahren

Lukas:

Es gibt zwei Arten, an eine neue Sache ranzugehen: Es gibt die Moeglichkeit sich zu informieren, zu planen, vorauszuschauen. Oder die Moeglichkeit, es einfach zu tun. Ich bin ein starker Verfechter der zweiten Variante. Ich moechte hier jedoch eine Einschraenkung vornehmen: Wenn du vorhast, mit der Indischen Eisenbahngesellschaft zu reisen, erwaege, Variante 1 vorzuziehen.

Und so kam es:
Auf dem Weg nach Darhamsala hatten wir die Idee, doch eine Strecke mit dem ‚Toy Train‘ zurueckzulegen, einer Gebirgs-Schmalspurbahn. Das taten wir dann auch. Nach einer kurzen Busstrecke sassen wir in einem kleinen Warteraum an einer suessen Bahnstrecke und schwitzten. Der Zug kam puenktlich auf die Minute und nahm uns in Schneckentempo mit in Richtung Patankut, der Endstation, Karten hatten wir davor bei einem netten Bahnhofsbeamten hinter einem ebenso kleinen suessen Schalter erworben. Nein, das war noch nicht die Indische Eisenbahngesellschaft. Die kam danach, am Bahnhof von Patankut. Dort wollten wir wissen, wann der naechste Zug nach Haridwar faehrt. Am Auskunftsschalter teilte man uns mit, dass immer Abends um 8.30 ein Zug fahre. Es war 7.00. Also auf zm Ticketschalter, Fahrkarte kaufen. Dort mussten wir erst mal eine recht beachtliche Warteschlange bezwingen (sie stehen zwar Schlangen wie die Englaender hier, haben dabei aber die Tendenz, die Sache mit ‚in der Reihe bleiben‘ nicht so ernst zu nehmen). Dann hatten wir unser Ticket: ca. 1 Euro fuer 10 Stunden Fahrt. Wir wunderten uns ein wenig.
Mit dem Zug ging es dann weiter zum naechsten Bahnhof (5 Minuten), wo der Nachtzug losfuhr. Sicherheitshalter fragten wir da nochmal nach, ob wir auch das richtige Ticket hatten, und ob man reservieren koenne. Antwort: Ja, Nein. Ok, dann mal los.
Der Zug fuhr ein und war voll. Aber nicht komplett voll, so dass wir 2 Liegeplaetze finden konnten. Wir legten uns hin und schliefen 2 Stunden. Dann weckte uns eine Horde wilder Inder und schmiss uns aus dem Abteil. Keine Reservierung. Ok… dann halt in den Flur. Wir irrten durch die Wagen und begegneten dem Schaffner. Der betrachtete unser Ticket, sagte, wir seien in der falschen Klasse und wollte uns eine Straffe ausbrummen. Wir lehnten ab, er wollte uns rausschmeissen, wir setzten uns in den Flur. Auf dem Boden sitzend, neben in Lumpen gehuellten Pilgerern verbrachten wir 2 weitere Stunden in relativer Ruhe. Robert wollte sich dann zwischendurch mal die Fuesse vertreten und verschwand. Kam laenger nicht mehr zurueck. Dann kam er, in Begleitung eines jungen, netten Polizisten, der ihn in die Arrest-Zelle stecken wollte wegen Fahren in der falschen Klasse, der uns Touristen aber als Gaeste betrachtet, ein Auge zudrueckt und uns sogar einen Sitzplatz ausgesucht hat. Als Strafe musste sich Robert dann 2 Stunden lang die zum Teil recht bizarren Wissenserguesse des jungen Mannes zu Indischer und globaler Politik, Indischer Geschichte und dem generellen Unwissen von Touristen anhoeren.
In Haridwar stiegen wir aus und suchten das Weite.
Nachtrag: Wir fahren heute wieder mit dem Zug. Ja, wir haben uns eine Reservierung besorgt.
Robert:
Von Dharamshala bis jetzt haben uns Stroemungen erwischt. Ein Rausch folgt dem Anderen:

Wir geniessen den letzten Abend in D/Shala mit zwei grossen Tuborg-Strong. Bis dahin sind wir in unserer Reise immer langsamer geworden – gewollt und erwuenscht. Von D/Shala sind wir in einem Rutsch/Rausch nach Kangra nach Pathankot nach Haridwar (ca 550 km).
Langes sitzen von Kangra nach Pathankot. Wenig Schlaf und langes auf dem Boden sitzen von Pathankot nach Haridwar haben uns veraendert.

Der Polizist, der mich – verschwitzt, muede, ausgelaugt, etwas lumpig – nach anfaenglichen Vorwuerfen des Gesetzesbruchs eine lange Predigt ueber all das gehalten hat, was ich nicht weiss aber wissen sollte und was ich falsch gemacht habe, hat eine Portion Demut dazugemischt.

Ein Hindu Rausch mit Goetteropfern, Teilnahme am Sonnenuntergangsritula am Ganges, Reinigung im Ganges, beschwerlicher Aufstieg zum Tempel inkl. dem eigenen Punkt auf der Stirn haben uns spirituel erfasst.

Die Zugticket-Beschaffung und -reservierung im staatlich computerisierten (*) Eisenbahnsystem haben wir dann mit Hingabe und Geduld ertragen koennen.

Wie geht dsa nur weiter.

* Gruss an Thomas: Seit 25 Jahren, Terminalanwendung, inkl. TEV und eingeschraenktem Zeitfenster fuer Erfassungen

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August 10, 2012 Posted by | Uncategorized, urlaub | , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Nach dem Rausch

Lukas:

Über mein übliches Kranksein verliere ich nicht zu viele Worte – ausser vielleicht, dass mich diese (altbekannte) Situation regelmässig den grössten Respekt vor den Menschen lehrt, die in den Länder wohnen, die ich besuche, und unter diesen Verhältnissen nicht nur überlebt, sondern ihren Plänen und Träumen nachgeht, diese verwirklichen und dabei allgemein auch noch den Eindruck machen als hätten sie viel mehr Spass dabei als wir in Europa.
Das waren jetzt doch recht viele Worte – den Rest in Kurzform…
Was mich erstaunt hat:

  • Pünktlich auf die Minute fahrende Busse (reproduzierbar! Den ersten hätten wir durch mein „ach der fährt eh nicht vor ner halben Stunde“ fast verpasst…)
  • Dharamsala: Ein Bergdorf, dessen Bewohner und tibetische Mönche sich von den vielen Touristen nicht in ihren Alltag stören lassen und sich so seinen Charm bewahren konnte
  • Das Reis mit Curry zum Frühstück tatsächlich schmecken kann – sehr sogar!

Was ich vom Reisen gelernt hab: Nie aufhören, sich überraschen zu lassen!

Robert:

Dharamshala ist eine merkwuerdige Stadt. Die Tibeter haben sich hier wohlfuehlend eingerichtet, einen schoenen Tempel gebaut und mit den Einheimischen gut  arrangiert. Viele „Free Tibet“ Fans leisten Freiwilligendienst und geben dem Ort, zusammen mit den italienischen Restaurants und Coffe-Shops wie in New York, einen westlichen Touch und doch, ganz leise, gibt es am Abend, wenn die meisten Souvenier-Staende schon abgebaut sind, wieder indische Spezialitaeten die mir hier so gefallen.

Wir sind zwei Tage geblieben und haben dann im Rausch eine wahnsinnige Tour bis nach Haridwar durchgezogen. Ich bin noch kaputt von der Fahrt, Details folgen spaeter – als Anriss nur drei Worte: Toy-Train, Nachtzug, Polizei.

Folgende kleine Punkte, die noch haengen geblieben sind

  • Die Busse fahren hier wirklich alle puenktlich ab
  • Sonntags haben vielen Geschaefte geschlossen, jedenfalls hatten wir in Mandi Probleme, etwas zum Fruehstuecken zu finden
  • viele Moped-Fahrer in Delhi tragen einen Helm.

August 8, 2012 Posted by | urlaub | , , , | Hinterlasse einen Kommentar